Archiv für Oktober 2010

Ringvorlesung im Zeichen der Kulturpolitik

Im Rahmen der Debatte um die Schließung des Altonaer Museum beschäftigt sich die Ringvorlesung, um Solidarität zu bekunden, in der ersten Sitzung am 2. November mit dieser Thematik. Die Vorlesung ist als Veranstaltung auch auf der Website des Altonaer Museum aufgeführt, wir hoffen auf zahlreiche Gäste und interessierte Studenten!

Euer FSR

Ringvorlesung Institutionen der Kunstgeschichte
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DIENSTAGS 18.00-20.00 Uhr, Hörsaal C (Erwin-Panofsky-Hörsaal)
Edmund-Siemers-Allee 1, 20146 Hamburg

2. November 2010
Die Geschichte der Kunst, wie sie traditionell überliefert wurde, ist von Individuen und ihren Leistungen geprägt: Künstler oder Architekten werden noch heute vorwiegend unter dem Gesichtspunkt des spezifischen Beitrags ihrer Werke zur künstlerischen Tradition rezipiert. In der Kunstgeschichtsschreibung wird aber seit mehreren Jahrzehnten auch andere Perspektiven gewählt: Sei es, dass die Geschichte des Museums erforscht, die Stellung des Künstlers in der Gesellschaft untersucht oder die Geschichte der Kunstgeschichte als einer Wissenschaft ins Auge gefasst werden. Wie andere Bereiche auch haben die Kunst und die Kultur insgesamt ihre Institutionen, von denen man unter anderem sagen könnte, dass sie die Bedingungen bereitstellen für die lange Tradition und Geschichte der Kunst und Kultur in Europa. Die Ringvorlesung wird sich mit diesen Institutionen beschäftigen und ihre Geschichte und gegenwärtige Bedeutung aus verschiedenen Blickwinkeln darstellen.
Unsere schon länger geplante Ringvorlesung fällt in eine Zeit, in der in Hamburg eines der renommiertesten Museen Norddeutschlands geschlossen werden soll. Die Universität kann zu diesem Vorgang nicht schweigen, wie sie auch die geplanten Kürzungen für Bibliotheken und andere kulturelle Institutionen mit größter Sorge sieht. Aus diesem Anlass wird die erste Vorlesung der Reihe sich auch konkret mit der Institution Altonaer Museum befassen.

Institutionalisierung und die Institutionen der Kunstgeschichte
Prof. Dr. Charlotte Schoell-Glass

Das Altonaer Museum als Palimpsest
Dr. Barbara Uppenkamp

„Die Ruinen des Museums“ – Kultur in Zeiten der Krise
Dr. Isabella Woldt

Altonaer Museum und Universität Hamburg – Beispiele
kulturhistorischer Forschungspraxis

Prof. Dr. Norbert Fischer

Altonaer Museum bleibt!

Altonaer Museum wird nicht geschlossen

Das Altonaer Museum ist gerettet. Entegegen der ursprünglichen Pläne des Hamburger Senats wird es nicht zum 1. Januar 2011 geschlossen, sondern bekommt ein neues Konzept.
Bis zum 1. April wolle man eine Neukonzeption des Hauses und der Stiftung Historische Museen erarbeiten, erklärte Bürgermeister Christoph Ahlhaus (CDU) in der Nacht zum Donnerstag vor Journalisten.

Vorangegangen war ein Kulturgipfel im Gästehaus des Senats, auf dem knapp 30 Senatsvertreter, darunter Kultursenator Reinhard Stuth (CDU), und Kulturschaffende über die aktuell notwendigen Sparmaßnahmen diskutiert haben.

Bei ihrer Ankunft waren Bürgermeister und Senator von rund 60 Kürzungsgegnern ausgepfiffen worden. Nach den neuen Beschlüssen werden auch die Einsparungen beim Deutschen Schauspielhaus und den Hamburger Öffentlichen Bücherhallen (HÖB) noch einmal überprüft und deutlich geringer ausfallen.

Das Junge Schauspielhaus bleibt damit erhalten. „Wir müssen jetzt einen möglichst attraktiven Intendanten finden“, sagte Ahlhaus zum Thema Schauspielhaus. Der bisherige Chef des Staatstheaters, Friedrich Schirmer, war aus Protest gegen die Sparmaßnahmen Ende September zurückgetreten.

Bereits am Mittwochnachmittag hatten die Bürgerschaftsfraktionen von CDU und GAL den Senat aufgefordert, „kurzfristig ein Konzept für den Standort des Altonaer Museums und seinen Außenstellen (…) als Bestandteil eines Gesamtkonzeptes für die Weiterentwicklung der Stiftung Historische Museen vorzulegen“.

Auf Bezirksebene hatten sich CDU und GAL schon Mitte des Monats gegen eine Schließung des Ausstellungshauses ausgesprochen und für die Prüfung möglicher Alternativen plädiert.

Hintergrund der Auseinandersetzung sind Kürzungspläne des schwarz- grünen Senats, der sich Anfang September wegen der desolaten Haushaltslage auf ein 510-Millionen-Euro-Sparpaket verständigt hat. Im Kulturetat beträgt das Kürzungsvolumen 6,2 Millionen Euro. In der Stadt war es deshalb seit Wochen zu massiven Protesten gekommen.

„Um ihren erforderten Sparbeitrag von 3,5 Millionen Euro zu erbringen, erhält die Stiftung nun mehr Zeit“, sagte Ahlhaus Donnerstagnacht. Bei der Neukonzeption ginge es darum, Qualität zu erhalten, aber Standorte zu schließen. „Am Standort Museum Altona wird es auf jeden Fall zu einer Reduzierung der Ausstellungsfläche kommen“, erklärte der Bürgermeister. Insgesamt habe man bei dem Spitzengespräch in konstruktiver und intensiver Gesprächsatmosphäre verhandelt. Allen Beteiligten ginge es darum, die Strahlkraft des Kulturstandortes Hamburg zu erhalten.

Altonas Museumsdirektor Torkild Hinrichsen erklärte anschließend, er fühle sich am Anfang eines guten Kommunikationsprozesses, „um mit dem wenigen Geld etwas Konstruktives auf die Beine zu stellen“. Und der für seine früheren Pläne vielfach angegriffene Kultursenator Stuth kommentierte: „Das ist ein richtig gutes Ergebnis.“ Man hätte schon früher miteinander reden können, er selbst sei allerdings erst Ende August mitten in den Haushaltsdebatten in sein Amt gekommen.

mopo

( über echo@listen.echolisten.de)

Stellungnahme des FSR

Stellungsnahme des Fachschaftsrates Kunstgeschichte zur Hamburger Kulturpolitik

Eine Stadt, in der wir leben wollen…

Von einer Stadt, in der wir leben wollen, erwarten wir, dass kontroverse Diskussionen geführt werden, dass kreatives Potential genutzt wird, dass Möglichkeiten und Rahmenbedingungen bestehen bleiben und geschaffen werden, in denen jeder Einzelne sich frei entfalten und seinen Beitrag zum Zusammenleben leisten kann. Vor allem aber erwarten wir, dass sich die Stadt, in der wir leben, nicht gegen uns stellt.
Jedoch wird unsere Liebe zu Hamburg mit solch dramatischen Entwicklungen, wie der geplanten Schließung des Altonaer Museums sowie den Budgetkürzungen des Schauspielhauses und der Bücherhallen, auf eine harte Probe gestellt. Hamburg, die Stadt, die sich als Kulturmetropole – als „Tor zur Welt“! – versteht, zerstört bewusst etablierte und traditionsreiche Bildungsstätten von unschätzbarem kulturellen Wert. Das Altonaer Museum zu schließen, bedeutet, einen Teil der norddeutschen stadtgeschichtlichen Entwicklungslinie zu negieren und aus dem Bewusstsein, vor allem aus dem nachkommender Generationen, zu verbannen. Indem man Regionalgeschichte, wie die der Region Altona in ihrer Beziehung zu Dänemark, wegrationalisiert, wird die Metapher „Tor zur Welt“ konterkariert. Die kulturelle Vielfalt, die sich in Hamburg bietet, wird um einen wichtigen Bestandteil beschnitten, ohne gerechtfertigte Gründe oder nachhaltige Konzepte zu liefern. Die seitens der Politik vorgebrachte Argumentation in Bezug auf Einsparungsmöglichkeiten zur Haushaltssanierung steht in keinem Verhältnis zu dem kulturellen und gesellschaftlichen Verlust, der durch eine Museumsschließung entstünde. Nicht nur die Zukunft der Ausstellungsexponate als wichtige Zeitzeugen regionalen Kulturguts und Bestandteil kultureller Bildung ist ungewiss, sondern es stellt sich die Frage, inwieweit Forschung im Bereich norddeutscher Kulturgeschichte noch möglich sein und sich wissenschaftlicher Nachwuchs bilden soll.
Parallele Entwicklungen sind an der Universität Hamburg zu erkennen, wo Studierende für ihre Bildung zahlen müssen, Lehrstühle, wie der von Herrn Prof. Dr. Hermann Hipp, gestrichen und ganze Studienfächer wie die Mesoamerikanistik und Ägyptologie eingespart werden. Aber die Grundwerte einer Gesellschaft setzen sich eben nicht aus Prestige und Profit zusammen. Aus unserer Sicht sind ein von Diversität geprägtes Kulturprogramm sowie vielfältige Möglichkeiten einer allgemein zugänglichen kulturellen Bildung maßgeblich für eine lebendige, pulsierende Stadt. Der Wunsch, sich als Kulturstadt zu etablieren, kann sich mit einer Mentalität, die sich durch kurzfristig angelegte Sparmaßnahmen auszeichnet, nicht erfüllen.

Vielmehr führen die aktuellen Entwicklungen in der Kulturpolitik nicht nur zu einem massiven Attraktivitätsverlust Hamburgs, sondern weisen in eine Zukunft, in der Kultur nicht um ihrer selbst willen, sondern nur um ihren Marktwert erhalten und gefördert wird. Prestigeobjekte wie die Elbphilharmonie oder das Tamm-Museum werden trotz fragwürdiger Daseinsberechtigung mit Milliardenbeträgen finanziert, wohingegen die vorhandene Kulturlandschaft, die eine kontinuierliche Bereicherung der Stadt bedeutet, aufs Abstellgleis gestellt und sukzessive demontiert wird. Der entstehende, kaum zu behebende Imageschaden der Stadt könnte kaum größer sein, da er den Anfang einer Entwicklung kultureller Verwahrlosung markiert und für den Ausverkauf unserer Hamburger Kultur steht. Schon jetzt wird Hamburg in den Medien wieder als Stadt der Pfeffersäcke wahrgenommen. Es muss generell ein Umdenken von Seiten der Politik erfolgen, damit die Kultur als Grundwert unserer Gesellschaft angemessen geachtet und geschätzt wird. Daher ist es unerlässlich, öffentliche Diskussionen zuzulassen und spürbare Tendenzen in der Gesellschaft aufzunehmen und nicht gegen sie zu arbeiten. Deswegen fordern wir den Erhalt des Altonaer Museums und aller anderen Hamburger Museen sowie keine Kürzungen im Etat des Deutschen Schauspielhauses und der Bücherhallen. Vielmehr fordern wir eine Ausweitung und Förderung der Hamburger Kulturlandschaft, damit Hamburg die Stadt bleibt, in der wir leben wollen!

i. A. des FSR Kunstgeschichte

Deutsches Forum für Kunstgeschichte in Paris

Liebe Studierende,

das Deutsche Forum für Kunstgeschichte in Paris sucht regelmäßig Praktikanten. Informationen findet ihr unter
http://www.dtforum.org/content/view/124/194/lang,de/

E-Journale zur Kunst

Liebe Studierende,

vermehrt gibt es inzwischen E-Journale zur Kunstgeschichte. Dort könnt ihr kostenlos Artikel von Professoren und Studenten lesen.

Adressen sind
http://www.kunsttexte.de/
und
http://www.artefakt-sz.net/

Viel Spaß!

Museum für Studenten

Liebe Studierende,

sowohl im Museum für Kunst und Gewerbe als auch in der Kunsthalle gibt es Veranstaltungen von Studenten für Studenten. Dort werden euch Führungen und Events angeboten, die über das normale Veranstaltungsprogramm hinausgehen und das Museum gerne mal in anderen Perspektiven erschließen.

Unter dem Motto „Kunst meets Kommilitonen“ (KmK) gibt es in der Kunsthalle regelmäßig Führungen und einmal im Jahr eine große Party, die inzwischen eingroßer Erfolg mit bis zu 1500 Besuchern geworden ist. Informationen zum aktuellen Programm findet ihr unter http://www.junge-freunde.de/h/kunst_meets_kommilitonen_44.php

Das Museum für Kunst und Gewerbe veranstaltet unter dem Titel „Date the Museum“ etwas andere Museumsbesuche mit freiem Eintritt. Regelmäßig sind dort Künstler zu Gast, die aktuell ausgestellte Arbeiten vorstellen oder es werden zu neuen Ausstllungen Livespeaker mit DJ und Bar kombiniert. Informationen dazu gibt es unter http://www.date-the-museum.de/

Viel Spaß
euer FSR

Einladungen ins Warburghaus

Liebe Studierende,

auch in diesem Semester wird es wieder viele spanndende Vorträge im Warburghaus geben. Am 29. Oktober spricht Prof. Hans Belting anlässlich des 81. Todestages von Aby Warburg über „Aby Warburg und die Kulturwissenschaft im Licht heutiger Forschung“. Am 3. November wird Prof. Dr. Gerd Blum einen Vortrag mit dem Titel „Von Bezaleel bis Michelangelo. Vasari über jüdische und christliche Kunst“ halten. Beide Veranstaltungen finden um 19.30 im Warburghaus in der Heilwigstraße 116 statt. Der Eintritt ist frei.

Weitere Informationen findet ihr unter http://www.uni-hamburg.de/Kunstgeschichte/Vortraege-Warburg-Stiftung.html
und unter http://www.warburg-haus.de/

Euer FSR

Kulturpolitik in Hamburg

Liebe Studierende,

nach den Debatten um die Hamburger Kunsthalle wegen Brandschutzklappenfehlern, Teilschließungen und Einsparmaßnahmen tritt nun das Altonaer Museum in die Schlagzeilen. Dem Museum droht das endgültige Aus. Und auch anderen kulturelle Institutionen wie dem Schauspielhaus und den Bücherhallen drohen Kürzungen, die nichts Gutes verheißen.

Das Kunstgeschichtliche Seminar hat bereits eine Stellungnahme zur Schließung des Altonaer Museums herausgegeben. Auch uns Studenten bietet sich die Möglichkeit einzugreifen und mit unserer Unterschrift und der Teilnahme an Veranstaltungen und der politische Debatte unser Interesse an der Erhaltung von Hamburgs Kulturleben zu bekunden.

Informationen zum Altonaer Museum findet ihr unter http://www.altonaermuseum.de/altonaer-museum/ausstellungen/aktuelle-ausstellungen/ansicht.html?uniqid=2703

Einen spannenden Artikel zum Thema gibt es in der FAZ unter http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc~E0190961450394D6794EEDC0AE023F374~ATpl~Ecommon~Scontent.html